Kathrin Block, wie gelingt die Existenzgründung als Heilpädagogin?
Shownotes
Kathrin Block, wie gelingt die Existenzgründung als Heilpädagogin?
Ihr habt genug von Vorgaben und engen Strukturen? Ihr wollt eure eigenen Ideen umsetzen und träumt schon länger von einer Selbstständigkeit als Heilpädagog:in in eigener heilpädagogischen Praxis? Dann ist diese Folge von „Irgendwas mit Menschen – der Heilpädagogik-Podcast“ genau richtig für euch. Rihab Chaabane und Philipp Bryant sprechen diesmal mit der Diplom-Heilpädagogin und Praxisinhaberin Kathrin Block, die nach der Geburt ihres zweiten Kindes entschied, dass sie ihr (Berufs-)Leben umgestalten möchte. Nach ihrem Start als Einzelunternehmerin und der ersten Mitarbeitenden im Jahr 2016 führt sie inzwischen eine heilpädagogische Praxis mit 43 Mitarbeitenden.
Welche Stolpersteine, Herausforderungen und Glücksmomente auf dem Weg zur Selbstständigkeit lagen, erfahrt ihr in diesem heiteren Gespräch.
Hinweis: Im Gespräch geht es auch um den Begriff der "Freien Trägerschaft". Dieser ist nicht gleichzusetzen mit der Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe nach § 75 SGB VIII. Heilpädagogische Praxen, Einrichungen und Einzelunternehmen sind nicht grundsätzlich Träger der freien Jugendhilfe gemäß § 75 SGB VIII.
Shownotes: "When am man loves a woman", Kinofilm von 1994 mit Meg Ryan und Andy Garcia: https://en.wikipedia.org/wiki/When_a_Man_Loves_a_Woman_(film) "Der Steppenwolf", Roman von Hermann Hesse aus dem Jahr 1927: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Steppenwolf
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Rihab Chaabane: Guten Morgen, guten Tag, guten Abend oder wann auch immer du gerade diese Folge hörst. Herzlich willkommen zu "Irgendwas mit Menschen - der Heilpädagogik Podcast". Ich bin Rihab Chaabane.
Philipp Bryant: Und ich bin Philipp Bryant. Hallo!
Rihab Chaabane: Hallo! Der Podcast "Irgendwas mit Menschen" möchte ja die Heilpädagogik mit all ihren Facetten näherbringen. Und wir diskutieren für euch gemeinsam mit Expert:innen ganz viele verschiedene Themen. Gerade in diesem Jahr 2025 sind wir da sehr offen unterwegs mit all den Themen, die die Heilpädagogik bewegen. An der Stelle, ihr dürft uns auch gerne Tipps geben für Themen, die euch interessieren. Das könnt ihr gerne machen über Instagram oder über E-Mail. Ich sag am Ende auch nochmal mehr dazu. Genau, und wir machen jetzt einfach so lange mit dem Podcast weiter, bis ihr oder wir keine Lust mehr haben.
Philipp Bryant: Ich kann mir das tatsächlich momentan gar nicht vorstellen, dass das irgendwann von der Lust her sich verändern sollte. Also ja, ich freue mich, schön.
Rihab Chaabane: Machen wir einfach weiter. Was ist denn heute dran, Philipp?
Philipp Bryant: Heute wollen wir uns mit dem Thema der Selbstständigkeit befassen und uns der Frage widmen, wie ist das denn, selbstständig zu sein als Heilpädagogin? Und dabei werden wir ganz unterschiedlichen Fragen nachgehen, weil wir wie immer auch hierfür eine wunderbare Gästin eingeladen haben, nämlich Frau Kathrin Block. Frau Block, wir freuen uns sehr, dass Sie da sind. Hallo. Herzlich willkommen.
Kathrin Block: Ich freue mich auch. Vielen Dank.
Rihab Chaabane: Ja, Frau Block, ich bin sehr gespannt auf das Thema und bin da persönlich besonders interessiert, weil ich selber auch selbstständig bin, aber ganz anders als Sie. Vielleicht können Sie uns so ein bisschen über sich erzählen und insbesondere können Sie sich an so einen Moment erinnern. es so etwas wie einen Schlüsselmoment, wo Sie gesagt haben, okay, und jetzt tue ich es. Ich springe ins kalte Wasser. Ich gründe eine Praxis oder ich mache mich selbstständig. Wie war da dieser Beginn oder wie war da die Historie davon?
Kathrin Block: Tatsächlich kann ich mich vielleicht an zwei Schlüsselmomente erinnern. war schon relativ früh am Anfang, als ich meinen Mann kennenlernte, hat mich meine jetzige Schwiegermutter gefragt, was ich denn mal vorhabe, wenn ich groß bin. Da habe ich im ersten Semester Heilpädagogik studiert und dann habe ich sie angeschaut und ich kannte die Familie noch gar nicht und habe gesagt, ich werde irgendwann meine eigene Praxis haben. Und das ist mir rausgepoltert, ohne dass ich da wirklich groß... Also das war so, ja, in dem Moment war das so klar. Ich hab gedacht, ja, das mach ich irgendwann. Ich hab das vielleicht schon ein paar Mal vorher gedacht, dass ich gerne das machen möchte, was ich möchte. Aber da ist es mir rausgepoltert. Und dann war der zweite Moment eigentlich, als meine zweite Tochter geboren ist. Da saß ich im Garten und hab sie so geschuckelt und die Große hat gespielt. Und ich hab gedacht, jetzt also wieder zurück. in die integrative Kita, in der ich auch glücklich war als Heilpädagogin. Das war meine erste Festanstellung als wirklich auch Diplom Heilpädagogin. Hab ich gedacht, nee, das schaffe ich mit den zwei Kindern gar nicht. Also erst mal brauche ich dann die von den Betreuungszeiten her, die haben eine Ganztags Heilpädagogin gebraucht. Damals war mein Mann der der Familien Ernährer sozusagen. Und ich dachte, ich möchte eigentlich auch meine Töchter groß werden sehen und irgendwie. hat mir da das Netzwerk gefehlt. Also es war so auf der einen Seite das Private und es war auf der anderen Seite das Fachliche, wo ich gedacht habe, ich sehe so viel, es braucht eigentlich Beratungen in den Kitas noch mal zusätzlich. Es braucht Netzwerke für Heilpädagog:innen sich auszutauschen. Und dann ploppen bei mir immer mehr Gedanken auf und ich habe gedacht, ich schreibe das einfach mal nieder. Und da war der Moment geboren meines pädagogischen Konzeptes ein Stück weit. Was sehe ich, was braucht es? Und dann habe ich mich in meiner Region, das ist ja die Region Hannover, durchtelefoniert.
Rihab Chaabane: Wow, was für eine coole Story. Was mich besonders überrascht, in gewisser Weise überrascht dieses, das schaffe ich gar nicht, mit zwei Kindern in der Anstellung zu gehen und deshalb mache ich mich selbstständig. Also das möge für jemanden außerhalb dieses Kreises erstmal widersprüchlich klingen, weil man ja oft dieses Sprichwort, kennen es bestimmt, selbst und ständig und so weiter. Und dass man ja nicht damit verbindet, selbstständig zu sein, ist irgendwie entspannter. Genau. Ja, cool.
Kathrin Block: Also wenn ich was dazu sagen darf, fällt mir ad hoc dazu ein, dass ich glaube ich als Heilpädagogin ziemlich ressourcenorientiert denke. Das ist so mein Alltag geworden. Immer gucke, wo sind die Lücken, wo sind die Nischen und wie drehe ich mir das Ganze zu sehen. Und für mich ist es einfach, ich kann meine Kinder, wenn ich meine Termine gut lege, tagsüber oder vielleicht auch am Vormittag mal sehen. kann den, also jetzt bestes Beispiel, diese Woche liegen alle drei mit der Grippe flach. Und dann habe ich Termine digital von zu Hause aus wahrnehmen können oder auch einfach sagen können, da habe ich gerade keinen Blocker, ich bleibe bei euch, bis ich dann zu Auswärtsterminen muss. Und das wäre in der Festanstellung vielleicht gar nicht so möglich gewesen. Oder auch ich kann entscheiden, wann korrigiere ich Berichte oder wann beantworte ich E-Mails. Das sind Sachen, jeder darf sagen, ich möchte abends nicht arbeiten. Aber für mich ist es manchmal einfach das Schönere, wenn ich tagsüber im Garten Fußball spielen darf und am Abend dann einfach sage, okay, und wenn die Kinder ruhig sind und schlafen oder mich nicht mehr brauchen, nicht ruhig sind, also wenn sie im Bett sind, dann ist nochmal der Moment gekommen, jetzt kann ich auch in Ruhe denken, vielleicht nochmal andere Konzepte ausarbeiten oder so.
Philipp Bryant: Ja super. Also jetzt haben wir ja schon eine ganze Menge gehört, auch ein Stückchen biografisches. Gibt es noch einen Aspekt, den Sie vielleicht hinzufügen wollen würden, wenn ich Sie fragen würde, was soll man unbedingt über Sie wissen?
Kathrin Block: Ich kann mich nicht verstellen. Ich bin ziemlich... Ich glaube, so wie ich losquassle über meine Familie, so bin ich auch in der Arbeit. Und wenn ich das Gefühl habe, ich sehe irgendwo was, das es gebraucht wird, dann dann versuche ich dafür zu kämpfen. Ich freue mich über jeden Menschen, dem ich begegnen kann und ich liebe sehr an meinem Beruf. Und das ist, ich, also eher an dieser Berufung, ich darf so viel Lebensgeschichten kennenlernen.
Philipp Bryant: Stark. Das würde ich gerne gleich aufnehmen, denn wir starten ja in der Regel hier im Podcast immer auch mit einem Elevator-Pitch in die inhaltliche Auseinandersetzung. Jetzt haben Sie ja schon sehr viele Aspekte benannt, die eine Haltung sehr deutlich schon erkennbar werden lassen, in der Sie Ihren Beruf ausüben. Und ich würde jetzt gerne, Sie haben gleich 60 Sekunden Zeit, die Frage zu beantworten. Ich würde jetzt gerne von Ihnen wissen. Wie lässt sich denn das, was Sie jetzt so mit einer heilpädagogischen Haltung schon beschrieben haben, wie lässt sich das denn mit den wirtschaftlichen Interessen einer Selbstständigkeit vereinen?
Kathrin Block: Ich glaube, dass ich ziemlich transparent mache, vor allem meinem Team gegenüber. Wie müssen wir wirtschaftlich sein, damit wir die Arbeit leisten können, die wir leisten wollen? Ich bin kein gewinnbringendes Unternehmen. macht einfach die Verhandlung mit dem Leistungsträger bringt das so mit sich Und auch die ja im Prinzip die Verwaltung, die dahinter steht sozusagen. Aber meine halbpädagogische Haltung in wirtschaftlichen Sinne, das heißt also ein ganzheitlicher Blick darauf. Was braucht es? Ich habe einen Umsatz und dann zu gucken, wer, wer braucht was davon? Also wie, wie statte ich das Team aus? Wie muss das ausgestattet sein, Familien gut aufsuchen zu können? Wie gestalten wir? Ja. für Familien Momente in den Familien und.
Philipp Bryant: Und jetzt ist die Zeit rum.
Rihab Chaabane: nur die Zeit des Pitches. Jetzt geht das Gespräch los. Das ist die gute Nachricht, ja.
Philipp Bryant: Genau! Ich würde gerne einen Aspekt nochmal aufnehmen, weil ich weiß gar nicht, ob ich das richtig verstanden habe. Ich finde das schön, weil ich habe da eine Umkehr gehört. Ich habe sie ja gefragt und habe da so bisschen eine Spannung reingelegt. Wie soll denn das gehen mit einer halbpädagogischen Haltung und wirtschaftlichen Interessen? Widerspricht sich das nicht? Jetzt haben sie ja ganz charmant, wie ich finde, das umgedreht und haben gesagt, das, was ich wirtschaftlich mir an einem Rahmen setze, Das bringt mich dann in die Lage, ich das, was ich inhaltlich tun will, machen kann. Also nicht dieses unterstellte Spannungsfeld, sondern, wie ich finde, sehr schön aufgelöst. Wenn wir das jetzt als so Grundlage nehmen, war das, neben dem, was wir vorhin schon kurz gehört haben, auch ein Grund dafür zu sagen, deswegen mache ich mich selbstständig, damit ich genau diese Ressourcen, in denen Sie, wie Sie gesagt haben, da sehe ich etwas, das da ein Bedarf oder ein Bedürfnis ist, Und dann will ich da mich zu verhalten, dass das auch dadurch mehr möglich wird als in vielleicht den Erfahrungen, Sie im angestellten Verhältnis gemacht haben?
Kathrin Block: Ja. Also definitiv ist das auf jeden Fall, da ploppen jetzt schon mehrere Faktoren auf jeden Fall auf, wie Sie das jetzt so gesagt haben, da nochmal anders draufzuschauen. Aber ein großes Thema ist bei mir, weil ich mich ja als Trägerin bezeichnen darf, als Trägerin in der Freien Kinder- und Jugendhilfe, muss ich sagen, dass es bei mir sehr kurze Wege gibt, wenn es Anschaffungen geht. Und ich kenne das noch ganz anders. Da hab ich mal viele Monate auf nur einen Hilfsmittel gewartet. Das gibt's bei mir nicht. Wenn mir jemand sagt, wir brauchen jetzt unbedingt ... Ach, Ahnung, einen Hockyschläger. Weil wir haben so viele Vorschulkinder, einfach ... Die müssen Teaminteraktion lernen, soziale Interaktion. Dann schaffen wir das an. So, und dann ist das nächste Woche da. das eine. Das andere sind aber auch die Grundbedingungen, die ich als Reglerin stellen muss für meine Mitarbeitenden. Das heißt also, wie zahle ich tarifangeglichen? Wie schaue ich darauf? Was braucht es auch für die Einzelnen? Ich habe mich selbstständig gemacht und ich war in der. Es gibt ja, ich muss dann Verhandlungen, eine Leistungsvereinbarung auszuverhandeln. das war damals wirklich heavy. Also da saßen sechs Leute aus der Region Hannover mich herum und haben mein pädagogisches Konzept auseinandergenommen. Da war der Teil aus dem Kostenträgerschaft, aus dem sozialpädagogischen Bereich, dem kinderärztlichen Bereich. Und hinterher gehe ich dann mit dem Kostenträger raus und der sagt, ja, Frau, da hieß ich noch Batioulis, Frau Batioulis, dann werde ich jetzt mal. die Prüfungsvereinbarung aufsetzen und ich würde da auch schon mal gegebenenfalls Mitarbeitende mit eintragen, dann sage ich, ne ne ne, das müssen Sie nicht. Das wird meine eigene kleine Praxis. Das müssen Sie. Ach, warten Sie mal ab. So. Ich trage das erstmal ein. Und dann habe ich gedacht, was denkt der denn Mitarbeitende? Ich weiß nicht mal, wie man einen Arbeitsvertrag aufsetzt. Ich bin Heilpädagogin. 43.
Philipp Bryant: Haha viele Mitarbeiter haben sie heute.
Rihab Chaabane: Innerhalb von... von welcher Zeitspanne ?
Kathrin Block: Aber ich muss sagen, meine erste Mitarbeitende habe ich im April 2016 angestellt.
Philipp Bryant: Also nochmal deutlich kürzerer Zeitraum, dem das gewachsen ist. Das macht ja nach neun Jahren.
Rihab Chaabane: Okay.
Kathrin Block: Ja, und dann noch mal kürzer der Zeitraum von, Corona begann 2020. Vor Corona waren wir acht und nach Corona waren wir 20. Also direkt nach Corona sind wir immer noch, aber ich sag mal so in 22 und jetzt in den letzten zwei Jahren noch mal eine Verdopplung.
Rihab Chaabane: Wahnsinn. Krass. was ist die Erklärung für diese immense Vergrößerung?
Kathrin Block: Also der eine Faktor will ich ganz klar sagen, ich habe auch das dann mit dem ersten Mitarbeitenden nicht gedacht, wie ich jetzt hier sitze. Das sage ich. Also das ist wirklich so. Ich bekomme schon auch fast selber wieder eine Gänsehaut, wenn ich so drüber nachdenke. Ich habe mit ich habe ja auch mit der Frühförderung gestartet und ich war aufsuchend unterwegs. Also meine Praxis war mein kleiner Caddy. Da war also hinten, der war bis oben hin mit mit Spielmaterialien gefüllt. Und ich hatte eine kleine Ecke im Haus als mein Büro, mehr war da nicht. So bin ich gestartet und hab da meine Stunden vorbereitet. Ich bin also in der Frühförderung und in der Fachberatung gestartet. Fachberatung braucht nicht viel, da brauche ich mich irgendwie. Und ja, mittlerweile habe ich auch einen Moderationskoffer und ein Beamer und ein Laptop. Aber das war damals auch eher schmaler und bin ja auch viel in Kindergärten unterwegs gewesen. Und dann habe ich tatsächlich eine Heilpädagogin kennengelernt, die ich so wahnsinnig toll fand und die im Regelbereich angestellt war und die ich immer wieder angesprochen habe und gesagt, magst du nicht, wollen wir nicht vielleicht zusammen? Und das hat schon ein halbes Jahr gedauert und irgendwann kam sie auf mich zu und dann gesagt auch, weißt du, jetzt wäre ich soweit. Naja und dann haben wir in so einen Standard-Arbeitsvertrag gekauft, den wir ausgefüllt haben. Erst mal so gemeint und gesagt, okay, wir wagen das Ganze mal und haben das mit meinem Steuerbüro abgeklärt. dann hatte ich meine erste, weil ich aus diesem Gedanken, und das will ich noch kurz zu Ende ziehen, diesem Gedanken heraus, ich mag allein arbeiten, aber nicht immer. Ich habe niemanden, mit dem ich mich über mich
Philipp Bryant: Okay.
Kathrin Block: speziell austauschen kann. Ich habe zu dem Zeitpunkt schon ein Netzwerk gegründet. Also ich habe einen großen Arbeitskreis für Integration und Inklusion in den Kommunen bei uns, der sehr, sehr gewachsen ist. Und da war ein toller Austausch. Das habe ich alles auch natürlich allein organisiert irgendwie. Aber so dieses Miteinandersprechen. Wie findest du meine Erstgesprächsunterlagen Hast du das Gefühl, wir müssen nochmal was anpassen bei den Aufnahmen oder den Austausch einfach über Frühförder Stunden, die wir gestalten und ganz klar der Bedarf, der ganz hohe Bedarf. habe über, also jetzt würde man sagen, über eine Vollzeitstelle alleine gearbeitet, aber ich arbeite ja nicht für mich selber als Selbstständige, nicht nach Wochenstunden. Ich habe 13 Familien allein begleitet. Das ist überirdisch. Das waren eineinhalb Stellen. Und das mit zwei kleinen Kindern. Und immer noch hatte ich das Gefühl, ich sehe sie viel.
Philipp Bryant: Ja. Wahnsinn. sehr gut. Spannend.
Rihab Chaabane: Okay, also der Bedarf ist enorm. Also ist der Bedarf gewachsen? auch, also ist das vielleicht hat das auch mit der Pandemie zu tun? Ist das Ihre Wahrnehmung, dass nach der Pandemie die Bedarfe bei den Familien, bei den Kindern im Kontext von Entwicklung allgemein gewachsen ist? Also gab es da so einen richtigen, manchmal bezeichnen wir das ja so bisschen als Zäsur, dass man das so richtig spürt davor und danach haben Sie das auch so wahrgenommen?
Kathrin Block: Also ich glaube, es zeigt ja schon noch so ein bisschen die die Steigerung meines Teams oder die Größe, weil ich gesagt habe vorher irgendwie acht, danach das doppelte. Auf der anderen Seite. Ich hatte ein ganz tolles Gespräch in einer Grundschule. Da war ich zur Fortbildung und und die Schulleitung hat das ganz schön betitelt, indem sie gesagt hat, ich habe eher das Gefühl Corona war ein Brandverschleuniger. So und und das denke ich. Also Corona hat vieles gezeigt, was vorher schon schon wirklich in den Startlöchern stand an. Ja, Herausforderungen für Familien. Und hat das noch mal verschärft. Und vor allen Dingen ganz viel die soziale Isolation. Und diese Nachläufer, finde ich, spüre ich auch jetzt ganz extrem. ich bin vor elf Jahren ja, wie gesagt, schon in Kitas viel unterwegs gewesen. Ich würde sagen, fünf Jahren, vor vier Jahren, ja schon auch so zur Corona, kam der Hort dazu. So als Fachberatung auch, Hortbereich. Und mittlerweile ja jetzt eben auch Grundschulen, wo wir wirklich merken, also die Jahrgänge 16 bis 18, 19 so, die jetzt einfach in der zweiten Schulklasse sind, die nehmen einfach diese verlorene Entwicklungszeit mit. Ja, also es ist, aber es ist auf jeden Fall mehr als nur Corona.
Rihab Chaabane: Ja,
Philipp Bryant: Also Sie haben ja schon wirklich ganz bildreich beschrieben, wie das dazu geht und wie jetzt das Wachstum sich auch aus Ihrer Sicht dargestellt hat. Ich würde gerne noch mal ein Stück zurück, nämlich Richtung dieser anekdotischen Erzählung rund die Gründung. Wenn Sie sich daran zurückerinnern, welche wichtigen bürokratischen Schritte sind denn bei dem sich selbstständig machen zu beachten.
Rihab Chaabane: Wobei wir jetzt von Selbstständigkeit sprechen heilpädagogische Praxis, weil es gibt ja verschiedene Formen, oder? Genau. Also was Sie gemacht haben, Frau Block, ist, Sie haben die selbstständig gemacht mit einer eigenen Praxis, wobei eigene Praxis, wie ich jetzt raushöre, nicht bedeutet, man braucht tatsächlich ein eigenes Gebäude dafür. Das kann auch zu Hause sein. Ist das richtig?
Kathrin Block: Das ist richtig. auf jeden Fall, weil mein erstes Gebäude beziehungsweise so meine erste wirklich Praxis-Örtlichkeit hatte ich ja erst in 2016 und 2014 bin ich gestartet. genau, also ganz zurück nochmal vor, überhaupt ich auch den Namen sozusagen, Halbpädagogische Praxis, Kathrin. Block ist es jetzt eben sozusagen benannt habe, allein schon die Logo-Entwicklung. so super spannend. Es hat mir so Spaß gemacht, darüber nachzudenken, was für ein Logo nutze ich. Und ich hätte nie gedacht, dass ich mal das so oft sehen werde. Also das war schön und was mir extrem geholfen hat und was ich wirklich sagen kann, ist über Wir müssen ja über die Heilpädagogik sozusagen hinausdenken. war sehr dankbar, im BHP gibt es dieses Buch zur Selbstständigkeit. Das war damals noch relativ neu. Das hat mir auch geholfen, Mitglied im BHP zu sein. Aber ich musste auch anders gucken. war Mutter in Elternzeit. Und habe dann ... Und in einem befristeten Arbeitsvertrag, genau, der dann hier ausgelaufen ist. Ich habe mich dann arbeitssuchend gemeldet. Und das war für mich ein Vorteil. Ich hatte eine ganz tolle ... Sachbearbeitung in der Agentur für Arbeit, der ich von meiner Idee erzählt habe und die gesagt hat, das findet sie großartig. Also weil sie kam auch aus der Kommune, sagt, das müssen sie machen. Also bitte, bitte. Ich habe da folgende Ideen. Wir können einen Existenzgründerzuschuss beantragen. Das geht über die Agentur für Arbeit und es gibt in Hannover einen Gründerin-Konsult, also extra für Frauen Hannover Impuls. Da machen Sie einen vereinbaren Sie einen Termin, da fahren Sie hin. Sie brauchen einen Business Plan. Businessplan, ich bin Heilpädagogin. Das hat mir wahnsinnig viel geholfen, weil gerade in diesen ganzen, und da sind wir wieder im wirtschaftlichen Bereich, ich hatte gar keine Ahnung, ein Wirtschaftsplan oder ein Businessplan ist, bin also zu Hannover Impuls. Ich habe meinen Mann, Gott sei Dank, vom Grundberuf her Ingenieur ist, also auch mit Excel-Tabellen gut kann und einfach da mir zwar auch geholfen hat, aber auch kein Wirtschaftswissenschaftler ist oder BWLer. Aber trotz dessen habe ich Ihnen auch auf jeden Fall viel gefragt. Aber viel auch mit der Agentur für Arbeit. Und das war ein guter Start. Also ich konnte nicht viel aufnehmen am Anfang an Geld. Also von daher auch nie der Gedanke, mich selbstständig zu machen. ja, da werde ich ordentlich Kohle. Eher so der Gedanke, wenn es mir zum Monatsende reicht. dass ich das wieder reinhole, was ich ausgebe. Das war so mein Plan. Und ja, dann bin ich zur Bank gegangen. Und das ist auch ganz spannend, wenn ich das noch sagen darf, weil es auch ganz viel darum geht, ich bin eine Frau und ich bin Gründerin. Und ich bin am Dienstag jetzt gewesen in meiner Kommune eingeladen zu einem Gründerinnen-Treff, wo es ganz klar darum ging in der Weltfrauentagswoche. Frauen gründen anders und einfach, um da Geschichten zu berichten. es war sehr spannend, weil viele die Gründerinnen, die da waren, davon berichtet haben, dass sie nicht bei jeder Bank einen Kredit bekommen haben. Und das war bei mir tatsächlich auch so. Ich wollte gar nicht viel. Ich wollte mir einen gebrauchten Caddy kaufen und ein Laptop. Das habe ich gedacht, erstmal das wichtigste Spielsache habe ich zu Hause. Ja, und man kann auch ganz viel selber basteln. Ich brauche aber erstmal so eine Grundlage. Genau, und dafür war dieser Gründungszuschuss total wertvoll. der hat mir geholfen, ein halbes Jahr irgendwie, was ich auch nicht zurückzahlen musste sozusagen, an Existenzgeld und dazu eben ein minimaler Kredit von der Bank und dann eben die Verhandlung mit der Region Hannover über die Leistungsvereinbarung, das wusste ich ja zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, dass das so möglich ist.
Rihab Chaabane: Was bedeutet das dann? Die Verhandlung gibt es dann auch nochmal Geld.
Kathrin Block: Ja, ich habe ein allgemeines pädagogisches Konzept geschrieben, muss ich dazu sagen, für eine heilpädagogische Praxis. Das heißt, da war schon Fachberatung mit inbegriffen, da waren Ideen darüber, wie man Kinder oder auch Jugendliche begleiten kann und habe das in der Region Hannover, wie gesagt, mit vielen Telefonaten rausgefunden, wäre es zuständig in der Eingliederungshilfe für Leistungsvereinbarung zur Verhandlung und bin dann eine ganz tolle Frau geraten, die damals eben Fachbereichsleitung war und hat gesagt, okay. Wir hören uns das mal von Ihnen an, schicken Sie Ihr Konzept ein und Sie hören in den nächsten zwei Monaten von uns. Und dann war ich ziemlich aufgeregt und dachte, zwei Monate sind viel. Aber tatsächlich klingelte irgendwann mein Telefon so, wir haben jetzt einen Verhandlungstermin gefunden, kommen Sie dann und dann und bringen Sie ins Regionsgebäude. da wurde dann im Prinzip, wurde ich an diesem Termin, ich hatte gar keine Ahnung, auf was das hinausläuft. Wirklich? da wurde dann festgelegt, also nach ihrem Konzept, wir müssen das und das und das rausstreichen, wäre das eine Vereinbarung über die Hausfrühförderung. Okay. Und was das heißen? Was heißt das? Und dann haben wir darüber verhandelt und gesprochen, was ich mir vorstellen kann, wie das aussieht von deren Seite, was die brauchen. Ich war damals tatsächlich in der Region Hannover die erste die sich als freie Trägerin, gemeldet hat eine Leistungsvereinbarung abzuschließen, die auch neu, es einen Menschen gibt, ohne große Trägerschaft, ohne eingetragenen Verein, ohne was auch immer, die sagt so, ich möchte gerne meine eigene Praxis eröffnen. das war schon was für bei.
Rihab Chaabane: Nachfrage, ist eine eigene Praxis, eine eigene heilpädagogische Praxis immer gleich freie Trägerschaft?
Kathrin Block: Ja, tatsächlich ja. Das war mir auch lange gar nicht bewusst zu sagen, dass ich mich auch als freie Trägerin, denn vielleicht bin ich noch in der Weltfauentagswoche, aber es wird mir gerade immer mehr bewusst, weil ich auch da gefragt wurde, was war denn meine größte Herausforderung und die war definitiv meine erste geschäftsführenden
Rihab Chaabane: Mhm.
Kathrin Block: Besprechungsrunde in der Region Hannover, wo alle Leistungsanbietende der Hausfrühförderung zusammengekommen sind, um über das Geschäftswesen zu sprechen. Und dann sitzen da eben 16 Geschäftsführer und eine Kathrin Bartioulis Anfang 30. Keine Ahnung, nichts kommt da rein. Ich bin Halbpädagogin, ich habe mich gerade selbstständig gemacht. Und die waren nicht begeistert, mich zu sehen. Das muss ich mal dazu sagen, weil die auch
Rihab Chaabane: Mhm.
Kathrin Block: Okay.
Philipp Bryant: Also, ja, okay.
Rihab Chaabane: Ich hatte jetzt schon ganz ganz viele Fragen zu dem, was Sie gerade erzählt haben, aber wir machen mal hier einen kleinen Cut für A oder A oder B funktioniert so, dass wir Ihnen zwei Optionen zur Verfügung stellen. Sie dürfen schnell und spontan entscheiden, welche der beiden es denn sein darf. Es gibt da kein richtig oder Wir fragen circa fünfxmal je nachdem. Und einmal gibt es einen Joker.
Philipp Bryant: Ja.
Kathrin Block: Das sechste
Rihab Chaabane: Das heißt, da dürfen Sie dann sagen, beides oder nichts oder ich passt.
Kathrin Block: Okay.
Philipp Bryant: anfangen? Ja, wenn du Ja super, sehr gerne. Dann würde ich natürlich direkt gerne wissen, so in der Grundorientierung, Sie haben ja gesagt, dass Sie Heilpädagogik auf Diplom studiert haben und ich würde gerne wissen, wie verstehen Sie die Heilpädagogik in Ihrer Grundorientierung und würden Sie sagen, Heilpädagogik ist Geisteswissenschaft oder Sozialwissenschaft?
Kathrin Block: Für mich... boah, das ist ja schön schon am Anfang. Ich hab mich immer als Geisteswissenschaftlerin verstanden.
Rihab Chaabane: Was machen Sie lieber oder haben Sie lieber gemacht? Diagnostik oder Spieltherapie?
Kathrin Block: Spieltherapie.
Rihab Chaabane: Die Hörnisfeld in Schwär.
Philipp Bryant: Wenn wir über die Kinder, Jugendlichen und die Familien nachdenken, mit denen wir leben und arbeiten, so wie ich das immer nenne, wie würden Sie die bezeichnen, außer dass Sie natürliche Namen haben wie Rainer, Uwe, Sabine etc.? Sind es die Betroffenen oder sind es die Betreffenden?
Kathrin Block: Es sind die Betreffenden. Definitiv.
Philipp Bryant: Ja, danke.
Rihab Chaabane: Delegieren oder lieber selbst schnell machen?
Kathrin Block: Darf ich jetzt das Veto einlegen?
Philipp Bryant: Okay, der Joker ist weg, das ist schön. Dann haben wir den schon mal einkassiert. Ich würde gerne wissen, wenn wir auf die Ausrichtung der Arbeit denken, geht es das Individuum oder das System?
Kathrin Block: Nöööö
Philipp Bryant: Deswegen war es gut, dass der Joker weg war.
Kathrin Block: Ja, taugend. Es geht das... Darf ich mehr dazu sagen?
Rihab Chaabane: Das ist bisschen... Ja, gleich im Anschluss. Also ernst entscheiden und dann was sozusagen.
Kathrin Block: Es geht ums Individuum. Es ist jetzt zu spät.
Philipp Bryant: Ja.
Rihab Chaabane: Ja, Sie würden gerne zum Letzten was sagen, zu Individuum und System.
Kathrin Block: Tatsächlich eigentlich auch nochmal zu Geistes- und Sozialwissenschaft, weil wenn ich sage, ich habe die ersten 20 Jahre gedacht, ich wäre Geisteswissenschaftlerin, geht es jetzt ganz viel Sozialwissenschaft auch und viel, mehr. Und das passt zum Individuum und auch zu System. Ich möchte, dass das System für das Individuum passend gemacht wird und dafür muss ich mit dem System arbeiten. Und genauso viel aber auch mit dem Individuum gucken, was brauchst du? Also das ist einfach, das steht in Wechselwirkungen, das ist beides unabdingbar, sich damit zu beschäftigen.
Philipp Bryant: Schönes Plädoyer für oder eine schöne Beschreibung finde ich für die aktuelle Herausforderungen, der heilpädagogische Arbeit sich grundsätzlicher befindet. Und oftmals wird uns ja unterstellt oder in Anführungsstrichen, ich meine das jetzt nicht negativ, sondern wir sind ja die, die so viel mit dem Individuum arbeiten und das ist auch richtig, aber es ist eben nur ein Teil der Perspektive. damit das Ganze gelingen kann. Ja, danke schön.
Rihab Chaabane: Mir brennt schon die ganze Zeit so ein Gedanke unter den Nägeln und zwar Sie haben, als Sie vorhin so bisschen beschrieben haben, immer wieder so was gesagt wie Businessplan, hä, ich bin Heilpädagogin. Excel-Tabelle, hä, ich bin Heilpädagogin. Also es klingt so ein bisschen, als wäre das, als könnte das ein Widerspruch sein oder als wäre das etwas, was wir nicht lernen, wenn wir diese Profession lernen. Und an der Stelle muss ich an den unseren lieben Kollegen, Co-Moderator denken, Jan. Er hat oder ans Herz gelegt, unbedingt das Wort Mindset fallen zu lassen in dieser Folge. Hat das mit Mindset zu tun? Also an welchen Stellen haben Sie sich ertappt, dass Sie da auch in gewisser Weise
Kathrin Block: So.
Rihab Chaabane: limitiert waren in dem, was sie glauben, was Heilpädagogik ist oder sie als Heilpädagoginnen können oder tun sollten. Gibt es da so etwas, das sie gemerkt haben? Da standen sie sich vielleicht selber mit dem Glauben darüber im Weg.
Kathrin Block: Ich habe jetzt gerade als erstes gedacht, als Sie angefangen haben, dass ich auch schon nochmal meine Hochschule in Schutz nehmen möchte, weil es gab ein Seminar, das ich hätte besuchen können. Aber mir war die Geisteswissenschaft in dem Moment.
Rihab Chaabane: Ach so, ja.
Kathrin Block: Und vor allen Dingen das wahnsinnig tolle Seminar über systemische Beratung bei einem ganz wunderbaren Psychologen wichtiger als die EDV-Beratung. Und das ist einfach mein ganz persönliches Ding. Aber zum Thema Mindset ja ich habe Heilpädagogik nicht studiert, wirtschaftlich darüber nachzudenken, was könnte ich daraus machen? Überhaupt nicht. Ich habe das studiert, weil ich mich und den Menschen verstehen wollte. Also ich habe einfach biografisch so viele Herausforderungen gehabt in meiner Jugend und ich wollte was ganz anderes machen und ich habe dann so einschneidende Erlebnisse gehabt, dass ich gedacht habe, ich möchte verstehen, warum der Mensch ist, wie er ist. Und bin in einen tollen Bereich gekommen, in einer Wohngruppe für Menschen mit schwersten Mehrfachbeeinträchtigungen und habe da mein FSJ und hab so sehr diese Arbeit, die Begleitung und dieses Leben, dieses Gemeinsame, weil es damals auch im Schichtdienst war und mit so KollegInnen, die so warme Menschen waren und so, ja, so echt das Fall war vorhin auch schon. Und ich da so reingeworfen wurde auch schon das erste Mal ins kalte Wasser, so unerfahren, aber so gehalten mich gefühlt habe. Und dann von dem Studiengang Heilpädagogik und dachte, wow, was müssen die Tolles machen? Also dann bin ich dahin gegangen, genau, und einfach weiter zu lernen, wie tickt der Mensch und zwar auf allen Ebenen, in allen Bereichen. Und das vereint Heilpädagogik für mich.
Philipp Bryant: Ja, also jetzt haben wir das nächste wunderschöne Plädoyer gehört, das beschreibt, wie unsere Disziplin und Profession sich zusammensetzt. Ich finde es auch spannend. wenn man verstehen will, mit wem man es als das Gegenüber zu tun hat, dann reicht ja letztendlich aus meinem heilpädagogischem Verständnis auch das Geisteswissenschaftliche allein nicht aus. Sondern wir brauchen ja auch die sozialen Rahmenbedingungen für. Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus. Ich bin nur so bisschen inspiriert gerade von dem, was Sie mit uns hier teilen. Ich will aber auf Folgendes hinaus. Sie haben ja jetzt mit 2014 begonnen und dann haben wir nachvollziehen können, ein Stückchen wie diese Entwicklung gegangen ist. Wenn Sie jetzt sagen, über 40 Mitarbeitende sind das inzwischen, dann habe ich mir die Frage gestellt, also wie sieht denn jetzt so ein typischer Arbeitsalltag von Ihnen aus? Ist das denn überhaupt noch so? dass ich mir jetzt das so vorstellen kann, wenn Frau Block dienstags morgens losgeht, dann macht die noch Förderung, dann macht die noch Diagnostik, dann macht die noch dies oder ist die mit diesem vielen organisatorischen, was die Firma, nenne ich das jetzt mal, das ist ja so und damit haben sie Verantwortung für ganz viele andere Familienkonstellationen, auch tragen sie? Wie ist ihr Arbeitsalltag? Sehen sie die Menschen, die Kinder, die Jugendlichen, die Familien noch oder? ist es nur noch Administration.
Kathrin Block: Ich hoffe, das ist ganz viele hören, aber ich sage das jedes Mal, dass ich das wenigste mit Administration beschäftigt bin. glaube, ich habe keinen typischen Arbeitsalltag, den gibt es bei mir einfach nicht. Ich liebe es, unterwegs zu sein, aber ich bin dann auch trotzdem bei meinem Team. Es ist so, dass ich seit letztem Sommer Teamleitungen eingezogen habe, also nochmal ganz speziell auch darauf geschaut habe, dass wir ein vernünftiges Organigramm haben. Spätestens vor zwei Jahren, als ich meinen ersten Lehrauftrag an der Hochschule hatte, musste ich den Studierenden aufzeigen. Auch da ging es Selbstständigkeit in der Heilpädagogik und das möchte ich auch gerne weiter vorantreiben, dass auch wirklich in Studiengängen geschaut wird, wie kann das funktionieren, Existenzgründung in der Heilpädagogik. Irgendwie, dass ich da gesagt habe, wir müssen mal vernünftig am Organigramm arbeiten. Ich habe seit Seit zweieinhalb Jahren, eine eigene Assistentin. Und die ist BWLerin. Das ist ein Traum, ich liebe sie. Sie holt mich zurück, sie fängt mich ein, aber sie lässt mich auch laufen. Ich glaube, sie ist auch in diesen zweieinhalb Jahren auch Heilpädagogin geworden. Aber ich hab einfach eben auch vorher schon so tolle, großartige HeilpädagogInnen, aber auch SozialpädagogInnen im Team gehabt. also wir sind super multidisziplinär und divers, sodass ich immer drauf geschaut habe, was hat mein Gegenüber, was ich nicht habe und komm zu mir. Also das war wirklich, ist es wirklich immer so, das Puzzle erweitert sich und das ergibt dann irgendwann ein Bild. Und nochmal auf meinen Alltag zurückzukommen, ist es so, dass wir Ja, ich habe feste Standorte und der Hauptstandort, da habe ich auch mein Büro und ich würde es gern manchmal auch schon häufiger sehen, aber ich bin eben nicht mehr, also ich bin leider nicht mehr in der Förderung tätig. Das war abgesprochen mit dem Team, auch die gesagt haben, okay, mach du mal nicht eigene Familien in der Frühförderung, sondern dann eher beratend für uns auch. Und die Fachberatung war klar, dass ich die weitermache. Mittlerweile gebe ich ja auch seit zwei Jahren Supervision in Teams viel. Das heißt, bin auch viel an, also ich bin eigentlich eher an Fachkräften und mit Fachkräften gemeinsam. Das sind meine Ausflugstermine sozusagen. Und Mittwochs ist unser fester Teamtag. Also da habe ich. eine Mitarbeitenden-Sprechstunde fest, wo sich jeder Mitarbeitende eintragen kann, wöchentlich. Ich habe eine Leitungsrunde mit Teamleitungen. Ich bin ja nicht mehr nur in der Frühförderung tätig, sondern wir haben die Heilpädagogische Familienhilfe, schrägstrich flexible Hilfen. haben Kita und Schulassistenz. Ich habe eine eigene Verwaltung sozusagen, die auch eine Teamleitung hat und wir haben ganz viel Auszubildende tatsächlich. Das heißt also, da haben wir geguckt, wie bauen wir dieses Organigramm auf, wo braucht es Teamleitungen und mit denen habe ich Vorbesprechungen und dann gehen wir ins ganze Team und ich sitze im Frühförderteam. Ich habe einen heilpädagogischen Spielkreis gegründet letztes Jahr, da gibt es auch eine eigene Teamleitung, ist im anderen Standort, aber die kommt auch zweiwöchentlich mit rein in unsere Besprechung. Genau, das sind so. Ja, ist unser, mittwochs fliegen wir ein in unser Nest, sag ich manchmal, oder kann man sich manchmal, es sieht das auch aus wie so ein Bienenschwarm, so, puh, alle rein und dann wieder raus. Genau, und ansonsten bin ich ja auch aufsuchend unterwegs, aber eben eher in Teams an Einzelfachkräften.
Rihab Chaabane: Ja, hört man, höre ich gut raus, dass es nicht so was wie einen typischen Arbeitsalltag gibt. Das ist ja so abwechslungsreich und so vielfältig. Und Sie klingen auch so lebendig, während sie das alles so beschreiben. Das klingt wirklich schön. Ich habe mich gerade gefragt, ob Sie sagen würden, Sie sind als Führungskraft eigentlich geboren oder so mit diesen, also ich höre ganz viel Führungsqualitäten heraus. Oder sind Sie in diese Aufgabe
Philipp Bryant: Okay.
Rihab Chaabane: immer mehr hineingewachsen. wann haben sie realisiert, sind, also sie brauchen Leadership Qualitäten. Weil ich finde, ist was anderes irgendwie Chefin zu sein oder eine Mitarbeitende zu haben, als irgendwie sich zu verinnerlichen. Ich bin Führungskraft.
Kathrin Block: Ja, ich glaube, dass derPunkt schon so kam, als wir vielleicht so zu Fünft, zu Sechs waren, die Entscheidungen immer mehr wurden. Also natürlich schon von Anfang an habe ich immer Entscheidungen getroffen für mich, für meine Familie. Wir haben alle eine eigene Persönlichkeit und ich würde schon sagen, dass ich zu der A-B-Frage sehr schwer aus der Hand geben kann, sehr perfektionistisch bin, sehr schwer delegieren kann, das aber lernen musste. Also ich bin reingewachsen in meine Rolle definitiv und ich habe da ganz viel Unterstützung gebraucht und die habe ich mir geholt. Also und ich brauche die auch immer noch. Das heißt, ich habe die Supervisionsausbildung auch gemacht, für mein Team anders noch denken zu können, um mich in meiner Persönlichkeit weiterzuentwickeln. bin ... Also, die Ausbildung ist tiefenpsychologisch- systemisch noch mal ausgerichtet. Und das war für mich ganz, ganz wichtig. Auch in Organisationskultur in die eigene reinschauen zu können. Und was braucht es dafür? Aber auch persönlich, was brauche ich? Und ich bin ... fragen Sie mich heute, sage ich was anderes, als dass ich vielleicht morgen sage, weil wieder was Neues passiert ist? Ich möchte ganz kurz, bevor das nicht ich dazu komme, ich liebe das Zitat, ich werde am Du zum Ich von Martin Buber. Das ist einfach so. das ist jede Begegnung, sei es in meinem Team oder sei es nach außen, da bin ich mit mir selbst wieder konfrontiert und gucke, was trage ich dazu bei? Wie kann ich das verändern irgendwie? Und es ist manchmal schon überfordernd, definitiv. Und also nicht nur herausfordernd, sondern auch überfordernd. darf mir gar nicht ständig darüber, mir das bewusst machen, dass ich 43 Mitarbeitende habe und die Verantwortung für alle trage. Das ist aber genauso, dass ich mir nicht ständig bewusst mache, ich bin dreifache Mama. Das denke ich auch nicht jeden Tag. Also sonst würde ich, glaube ich, platzen.
Philipp Bryant: Spannend. Ich würde mich gerne noch so einem Aspekt im Gespräch zuwenden, der auf so etwas wie die Verortung der eigenen Firma in der Region und eine Konkurrenzsituation auch eingeht. Wir haben ja schon gehört, es gibt einen großen Bedarf und er scheint auch, zumindest gefühlt haben Sie das gesagt, gestiegen zu sein. Jetzt auch über die Pandemie-Erfahrungen, die wir gemacht haben. Wie ist das denn, wie können wir uns das vorstellen für Sie als zwar jetzt schon auch wirklich großer freier Träger, aber Sie haben ja wie in vielen anderen Regionen in Deutschland auch die Einrichtung der großen Wohlfahrtsverbände, die ja Konkurrenten auf dem Markt sind. Wie positionieren Sie sich da oder gibt es auch Kooperationen? Wie kann ich mir das vorstellen?
Kathrin Block: Ja, genau. Also ich habe schon versucht, Anfang an das gar nicht als Konkurrenz zu sehen, beziehungsweise der Konkurrenzgedanke war bei mir irgendwie gar nicht da, weil ich ziemlich schüchtern war und ziemlich demütig dem gegenüber, was es alles gibt. Aber in mir schreit auch eine Löwin, die gesagt hat, ich bin mit ganz vielen Bedingungen nicht. nicht einverstanden, wie es in anderen Trägerschaften läuft. Das will ich anders aufziehen. Aber wie gesagt, wirklich unter der Unterschrift, ich wollte allein das machen. Ich habe nie gedacht, dass das mal so ausartet. Und habe von Anfang an versucht, zu netzwerken. ich habe wirklich, den Begriff habe ich auch von meiner Assistentin proaktiv. auf andere Träger und Vereine zugegangen. Damals war es noch so, dass mir meine Leistungsträgerin vorgegeben hat, an so Leitungsgremien teilzunehmen. Sei es im sozialpädiatrischen Zentrum gibt es einen Leitungskreis für Frühförderstellen. Ich war immer wahnsinnig aufgeregt, weil das sind alles Namen gewesen und Leitungen, die ich getroffen habe. Dachte ich, die kenne ich nur aus von den Unterschriften bedeuten da, keine Ahnung, alles, Artikel auch. Und habe dann aber relativ schnell gemerkt, dass das auf der anderen Seite so war. Was macht die jetzt hier? Was möchte die? die was Neues? Also was verändert sich hier gerade? schon ich gespürt habe, da ist ein Konkurrenzgedanke im Sinne von es gibt nur einen Kuchen. Ja, und der muss irgendwie aufgeteilt werden. Da bin ich dann mit meiner Offenheit an Grenzen gestoßen und vorsichtig geworden, muss ich ganz klar sagen. Und hab dann gedacht, Netzwerken auf jeden Fall zusammenbringen, austauschen, aber nicht mehr mit jeder offenen Offenheit. So viel zum Thema, wenn ich was über mich sagen sollte. bin halt ziemlich direkt und da muss ich sehr stark lernen, aufzupassen. Dass ich's immer, ja, dass wir irgendwie miteinander ... auskommen und das hat aber jetzt die Zeit gezeigt und ich glaube, ist ein ganz wichtiger Faktor, was es braucht, ist Zeit und es braucht Beziehung und das auch in anderen Ebenen und auch da Transparenz zu sagen, wir wollen hier gemeinsam ja eigentlich was erreichen. Es ist für uns alle zu viel. Also es ist noch nicht mal so, dass wir uns die Arbeit gegenseitig wegnehmen, sondern wir ergänzen uns und das möchte ich immer mehr betonen. Ich hoffe so sehr, dass wir alle irgendwie dieses Verständnis dafür haben in unseren ganzen Trägerschaften, dass wir uns ergänzen und ich erlebe das auch und spüre das auch. Also mit meiner direkten Nachbarträgerschaft sozusagen, das ist ja die Lebenshilfe, bin ich im engen Austausch mit dem Leiter. Wir machen jetzt auch bald ein gemeinsames Projekt darüber, was braucht es für unsere Familien in unserer Kommune? Und die haben Angebote. wie zum Beispiel autismusspezifische Förderungen, die ich nicht habe. Dafür habe ich aber die heilpädagogische Familienhilfe, wo sie gesagt haben, da können sie oder wollen sie jetzt auch nicht weiter rein. Und das ist so schön. ergänzen wir durch diesen durch wirklich erarbeitete Beziehung können wir uns glaube ich ergänzend wertschätzen.
Rihab Chaabane: Was ist denn, weil Sie haben gerade schon angefangen damit, was würden Sie sagen ist denn so Ihr USP, also Ihr Unique Selling Point oder Alleinstellungsmerkmal, sowas muss man ja auch im Businessplan dann oft auch schreiben. Also was ist das, wo Sie sagen, das machen wir anders als zum Beispiel diese großen TrägerInnen?
Kathrin Block: Wir begleiten absolut Individuums- und bedarfsgerecht. Das hört sich jetzt erst mal nur so total platt an, aber damit meine ich, wenn mich eine Familie anruft, ganz konkret kontaktiert und sagt, mein Kind ist gerade, wir haben eine Kündigung von der Kita und wir wissen nicht weiter, ich muss meinen Job kündigen, ich weiß nicht, wie das weitergeht, dann sage ich, okay, Sie kommen erst mal her oder ich komme zu Ihnen. Also wir suchen auf und das kostenlos. Unser Erstgespräch ist ein, also da, ich hab meine stellvertretende Leitung, ich würde sagen zum Großteil ihrer Stelle damit beschäftigt, Familien aufzusuchen, die nicht zu uns kommen können oder die Kraft nicht haben und da Erstgespräche zu führen und da steht noch nicht mal fest, ob wir die Familien aufnehmen können oder nicht. Aber erstmal den Bedarf zu ermitteln und zu schauen, was braucht es, wo kann es hingehen und wenn es dann eine andere Trägerschaft ist oder eine ganz andere Möglichkeit gesponnen wird, ist das auch so. Aber dass wir einfach erst mal zuhören, da sind und gucken, was können wir tun dazu. Und wenn es dann zu uns geht und wir sagen, okay, das wäre jetzt erst mal ein Antrag konkret in die Frühförderung oder ein Antrag auf Kita-Assistenz, Schulassistenz, auf Freizeitassistenz, wir haben auch eine Zeit lang sogar Elternassistenz angeboten, weil wir irgendwo immer wieder tatsächlich Menschen finden, die sagen, ja, gut, ich mach das zeitbefristet. Ich lasse mich anstellen oder ich kenne da jemanden so. Ich versuche einfach wirklich individuums- und familiengerecht zu gucken, was braucht es gerade. Und wir sind die einzige Trägerin in der Region, die Kita-Assistenzen auch immer wieder regelmäßig umsetzen kann, weil ich wirklich ein tolles Netzwerk habe und Kontakte auch über das Team und darüber hinaus. wo wir Bewerbungen herbekommen oder einfach Recruiten können, wie man so schön sagt. Und da auch nicht drauf gucken. Auch zum Beispiel sagen, manche Träger schaffen wir mit, wer Hausfrühförderung ist, bewilligt zwei Stunden, Fachleistungsstunden die Woche. Und wenn wir sagen, das Kind hat aber einen ganz anderen Bedarf oder die Familie, das geht nicht anders, dann gucken wir in unserem Team, wie können wir Ressourcen noch mal anders ausbauen? Also wo können wir sagen, was wir ganz viel machen, das ist vielleicht auch ein Alleinstellungsmerkmal. Das möchte ich mal... Wir arbeiten ganz viel in Tandems. Also ich hab festgestellt, dass es großen Sinn macht, dass unsere PädagogInnen auch im Austausch sein können. Ähnlich wie ich ich begonnen hab. Ich wollte ja auch nicht mehr alleine sein irgendwann. dass unsere Frühförderkräfte merken oder auch unsere HPFK-Kräfte. Also immer mit mir alleine darüber zu sprechen, ob ich das jetzt gerade gut gemacht hab in der Familie bringt auch nichts. Und so, dass wir einfach mehrdimensional in einer Familie sein können. Dafür braucht es aber auch Austauschzeiten. Dafür müssen wir gucken, wie stricken wir irgendwie die Vorbereitungs-, Nachbereitungszeiten, Teamzeiten und so weiter. Und da immer, immer wieder zu hinterfragen, was braucht ihr, was brauchen die anderen, wie können wir das noch mal umstellen. Und das ist bei mir manchmal ziemlich, also ich würde auch heute noch zu sagen, wenn die sagen, wir wollen es jetzt wieder ganz andersrum machen, aber auf der anderen Seite kann das, also das löst Stress aus, aber es löst auch Entlastung aus.
Rihab Chaabane: Also man braucht glaube ich ganz viel Flexibilität, Offenheit, Veränderungswille in so einem Prozess als Unternehmerin würde ich jetzt mal sagen oder als Gesamtteam auch.
Kathrin Block: Letzte Woche war das tatsächlich ein Satz von einer neuen Mitarbeiterin. Also Flexibilität als Einstellungskriterium, oder? Das sich sehr schnell verinnerlicht. ich finde das auch vollkommen in Ordnung, wenn jemand sagt, ich brauche Strukturen, viel mehr Strukturen. der Ruf war auch letztes Jahr. Da war der Wunsch nach mehr Struktur, nach mehr Vorgaben. Und ich dachte immer, wäre total gut, wenn jeder machen kann, was er möchte. Nee, ist nicht so. Es braucht auch manchmal, und das finde ich bei mir ja auch, braucht auch Struktur. Also haben wir einen Leitfaden entwickelt. Und der wurde vom Team gefüllt. Ich habe gesagt, okay, ich mache alles mit euch mit und ich schreibe auch alles auf. Aber ihr müsst mir helfen. Ich wüsste jetzt gar nicht, wo ich anfangen soll. Aber du musst doch die Entscheidung treffen, das mache ich. Aber welche? Also ihr müsst mich erst mal Dann haben wir gemeinsam diesen Leitfaden, der mittlerweile, ich glaube, 17 Seiten hat. ich dachte, wow, was kann da alles zusammenkommen? Das hat mich teilweise, das meine ich mit Überforderung, weil ich, glaube ich, die Führungsposition habe, die sagt, jetzt so und so und so. Mein Team wird jetzt sagen, oh doch, Katrin. Wenn du manchmal da vorne stehst vor uns, dann ist das schon so. So machen wir das. Und zwar jetzt. Aber eben nicht in ganz ... Also in so diesen individuellen Entscheidungen. Ich bin ganz lange schon nicht mehr als Frühförderkraft unterwegs gewesen. Aber ich bin in dem Bereich unterwegs. Und dann sag ich, wie braucht ihr's denn? Also wenn es ganz klar darum geht, wie strukturier ich meinen Kalender? Wie geb ich die Fahrzeit ein? Oder den Unterschriftenzettel? Da können wir vom Höchstchen in Stöckchen kommen. Aber da einfach zu sagen, wie stellt ihr es euch vor? Können wir es machen oder nicht?
Philipp Bryant: Also wir hören ganz viel Partizipation raus. Es gibt unglaublich viele Aspekte, die wir natürlich jetzt noch gar nicht haben beleuchten können. Und dennoch müssen wir irgendwie zum Ende kommen, weil die Zeit einfach so stark gerannt ist. Also was für mich jetzt leider noch so ein Stückchen offen bleibt, ist die Frage nach der Elternarbeit, der Haltung, in der das, in der Begleitung, wenn jetzt die Fördermaßnahmen oder so sich an Kindern und Jugendlichen ausrichtet, wie Eltern mit eingefangen werden und ja viele weitere Aspekte.
Kathrin Block: Aber darf ich dazu noch was sagen?
Philipp Bryant: Mit der Bitte eine kurze Antwort.
Kathrin Block: Weil das ist zum Beispiel ein Punkt, bei uns so ist. Wir haben ja face to face und das am Kind, aber wir haben einen ganz hohen Bedarf bei den Eltern, beziehungsweise die Eltern brauchen auch Begleitung, und das ist eins zu eins am Kind. Und ich sage meinem Team ganz klar, eine Stunde gemeinsam mit den Eltern, es setzt sich eins zu eins auf das Kind um, und so kann ich das auch rechtfertigen. Denn wenn wir die Eltern nicht in Beziehung haben, dann ist keine Beziehung zum Kind möglich und auch keine Verbesserung vielleicht auch der herausfordernden Zeiten gerade. Also für mich ist das absolut wichtig und deshalb, und das ist der letzte Satz auch dazu, dass ich schon auch immer gucke, in der Eingliederungshilfe und auch in der Jugendhilfe ist es nicht notwendig, dass wir eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin zum Beispiel haben. Aber ich hab eine eingestellt, weil ich gesehen hab, wir haben den Bedarf einfach da. Die therapeutischen Wartezeiten sind zu lange, wir müssen gemeinsam gucken, wie können wir drauf schauen. Und Eltern sind für mich genauso wichtig wie die Kinder. Deswegen spreche ich nicht von Kinderbegleitung, sondern ich spreche immer von Familienbegleitung.
Rihab Chaabane: Sehr schön.
Philipp Bryant: Das nehmen wir als Schlusswort.
Rihab Chaabane: Nein, Nein, noch nicht, noch nicht. Also meine Uhr sagt, ich darf noch eine Frage stellen, weil ich glaube, dass das für die Zuhörenden doch ganz spannend ist, wenn das jetzt irgendwie junge Heilpädagog:innen sind, die vielleicht schon ein bisschen Erfahrung gesammelt haben im Angestelltenverhältnis und vielleicht ein bisschen mit den Gedanken spielen, aber nicht genau wissen. Was würden Sie sagen, sollte man als Unternehmerin oder Unternehmer to be unbedingt mitbringen, welche Kompetenzen braucht es, oder den Willen diese Kompetenz zu entwickeln, und gibt es so etwas wie einen Tipp, den Sie der Person, also den Sie NeugründerInnen geben würden.
Kathrin Block: Also auf jeden Fall Herzblut und dass ich absolut dahinter stehe, was ich machen möchte, dass diese Idee, also dass ich wirklich auch diesen Bedarf sehe. Ich hatte ja erst mal nur ein Gefühl, was braucht es und dann habe ich ganz klar eine Bedarfsanalyse gemacht. Das heißt, ich habe Klinken geputzt in Kitas. Könntet ihr mich gebrauchen? So und wisst ihr, was ich mache Und habe also dieses wirklich, also die Bedarfe zu erspüren, zu erkennen und auch nachzufragen und es braucht einen wirklich eisernen Willen. nicht darüber nachdenken, wie viel Zeit das Ganze kostet. Absolut nicht, weil sonst braucht man es nicht anfangen. Das ist, ich sage immer, das ist auf jeden Fall mein viertes Kind. ich lebe für meine Kinder. Also anders kann ich es nicht sagen. Sonst ... Das ist nicht mein Beruf, das ist meine Berufung. Und das macht es dann aus.
Philipp Bryant: Ja.
Kathrin Block: Und es kostet sehr viel Zeit und sehr viel Energie, aber dann kriege ich das auch wieder. Also weil, wie gesagt, die Begegnung mit Menschen, das ist einfach das Schönste, was ich erleben darf.
Rihab Chaabane: Wie schön. Das ist doch ein schönes Abschlussstatement, oder Philipp?
Philipp Bryant: Das andere war auch nicht schlecht.
Kathrin Block: Ja.
Rihab Chaabane: Gefühlt Frau Block war alles, was sie sagten, hatte die Qualität eines Abschlusstakes, ich. Also mir hat es jedes Mal mein Herz so aufgemacht und so inspiriert und ich habe richtig Lust bei Ihnen reinzuschauen und zu schnuppern und zu gucken, wie Sie arbeiten und wie Sie führen und wie Ihr Team ist. Also es ist wirklich, also mir hat es Lust gemacht. Mich hat es jetzt nicht abgeschreckt, die Idee von Gründung, wenn ich Ihnen so weil so rauszuhören und rauszuspüren ist, wie viel Herzblut und wie viel Lust und wie viel Kraft ihnen das auch wieder zurückgibt.
Kathrin Block: Ja, danke.
Philipp Bryant: Wirklichkeiten auch drin stecken. Wie toll offensichtlich es gelungen ist, dass das, was sie gesehen haben, das, was sie gespürt haben, eine Struktur zu gießen, in der das auch tagtäglich wieder abrufbar wird. Und das ist ja wertvoll. Ich kann mir das gar nicht anders vorstellen als das, wenn der Wecker klingelt, gut, manchmal ... Ich sag das, ich bin ja auch Vater. Und ich hoffe, meine Kinder können das richtig einordnen. Aber manchmal nerven Kinder ja auch. Aber ich kann mir nur vorstellen, dass man in dem Setting morgens aufsteht und sich freut, zur Arbeit zu gehen. und daher, ja, das ist wirklich sehr schön deutlich geworden. Zum Abschluss, Frau Block, wollen wir Sie gerne noch nach einer Empfehlung fragen. Und zwar für ein Buch, eine Musik, ein Theaterstück, ein Film, irgendetwas, das Sie berührt hat und das Sie gerne mit unseren Zuhörenden teilen würden. Das muss auch nicht fachgebunden sein.
Kathrin Block: Ja, das habe ich jetzt wirklich zwischenzeitlich vergießt. Und da ist es wieder. Und ich kann es gleich. Ich sage das jetzt einfach so, weil es darf ja alles sein. Zu Jugendzeiten und ich habe ihn lange nicht gesehen, aber da war es mein absoluter Lieblingsfilm ist Wenn a man loves a woman. Und wenn ich darüber nachdenke, ist es ein sehr, sehr starker Familienfilm, der ganz klar jetzt noch Bedeutung hat. Genau, ist das eine. Dann liebe ich Hermann Hesse. Und ich habe gerade noch mal den Steppenwolf gelesen und würde den sehr empfehlen. ich habe als Schülerin "Im Nebel" kennengelernt und war fasziniert sein Gedicht und da denke ich noch ganz oft dran. ja, das sind so, das sind diese beiden Sachen. Und natürlich in der Heilpädagogik Paul Moor. Ich habe auch da nochmal sein grundständiges Werk irgendwie angeschafft und dachte, ja, das ist es einfach auch. ja.
Rihab Chaabane: Unsere aller aller allererste Heilpädagogik Folge war zu Paul Moor. Genau, super, eine super schöne Folge. Ja, beenden diese Folge mit der Herzensempfehlung von Frau Block When a man loves a woman und Steppenwolf von Hermann Hesse. Vielen Dank Frau Block, dass Sie da waren und uns bereichert haben und uns inspiriert haben. Und wenn ihr liebe Zuhörende Anregungen, Kritik auch Themenideen habt oder auch Gäste- oder Gästinnen-Empfehlungen habt, dann schreibt uns doch gerne an podcast.bhponline.de oder an unserem Instagram-Kanal bhponline.de. Bis zum nächsten Mal!
Philipp Bryant: Vielen Dank
Kathrin Block: Vielen Dank Ihnen!